"Spricht denn der Ton zu seinem Töpfer: Was machst du?"
(Jes 45, 9)

Liebe Leserin, Lieber Leser!

Die Gefangenen in Babylon, die immer noch zu Gottes Volk gehören, stehen in der Versuchung, mit Gott zu streiten und ihn anzuklagen. Das Geschichtshandeln Gottes, das sie in Gefangenschaft und in die Fremde geführt hat, ist ihnen unbegreiflich. Auch verstehen sie nicht, dass Gott es zulassen konnte, dass der Tempel in Jerusalem durch fremde Soldaten zerstört wurde.

In diesem Bibelwort benutzt nun der Prophet Jesaja ein besonderes Bild. Ein Bild, das den Menschen damals vertraut war: Der Töpfermeister formt seine Tongefäße ganz nach seinem Willen und Plan. Ein tönernes Gefäß kann sich nicht gegen die formende Hand des Meisters, gegen seinen Willen und Plan wehren.

Und doch meinen wir Menschen oft, mehr als so ein Tonkrug zu sein. Unser Herz fragt immer wieder nach dem Sinn eines besonderen Lebensabschnittes, den Gott uns ganz persönlich in Raum und Zeit zugedacht hat. Wir streiten mit Gott, unserem Schöpfer. Wir wollen Sinn und Zweck unseres Daseins kennen.

Hilfe, Glaubenshilfe gibt uns hier unser Bibelwort! "Spricht denn der Ton zu seinem Töpfer: Was machst du?"

Vielleicht beneiden die Stürmischen von uns, die Stimmungsmacher, vielleicht beneiden sie die Gelassenheit anderer, die viele Dinge scheinbar leichter ertragen können.

Vielleicht beneiden wir die eifrigen Tatmenschen, während wir uns schwer tun, nach vorne zu gehen.

Vielleicht sind wir mehr nach innen gekehrt und verarbeiten Erlebtes langsam und schwer. Und die Menschen, die sich schnell äußern können, vielleicht beeindrucken sie uns durch ihr schnelles Urteil.

Vielleicht ist uns die Gabe des Redens nicht gegeben, und wir beneiden andere, die sich als Wortführer hervortun.

Aber halten wir fest: Der göttliche Meister hat uns so geformt und will auf diese begabende und beschränkende Weise optimal unser Leben gebrauchen. Machen wir uns nicht verrückt durch die ständigen Vergleiche und streiten wir nicht mit Gott! Gott sagt "Ja" zu uns, so wie wir sind. Er will uns so, wie er uns geschaffen hat!

Ihr Pastor Martin Schneider


Gott spricht: Suchet mich, so werdet ihr leben. Amos 5,4

Manchmal laufe ich orientierungslos durchs Pfarrhaus und denke: Irgendwo hast Du etwas hingelegt, etwas Wichtiges, zur Erinnerung. Aber weder fällt mir ein, was ich hingelegt habe, noch wohin. Dann gebe ich die Suche auf und warte, bis mir das Verlorene zufällig in den Blick gerät. Geht es Ihnen auch so?

Auf der Suche, den lieben langen Tag: Schlüssel, Einkaufszettel, Formulare. Einfach nicht auffindbar.

Also müssen Dinge warten oder im Kopf wieder hergestellt werden.

Vielleicht wäre es klüger, sich jetzt erst einmal hinzusetzen, sich wieder finden, auf das Wichtige zu konzentrieren. Was brauche ich jetzt eigentlich? Wohin kann ich mich zurückziehen, auftanken, neue Lebenskraft sammeln?

Der biblische Prophet Amos hat Recht: Gott ist so ein Ort.

Mit ihm kann ich im Gespräch sein. Er hört mir zu! Er gibt mir Zuspruch. Häufig vergesse ich das unter all den vermeintlich wichtigen Erledigungen.

Deshalb bin ich froh, dass Amos seine prophetische Stimme auch heute noch erhebt und ruft.

Martin Schneider


"Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, dass du mein Elend ansiehst und nimmst dich meiner an in Not." Psalm 31, 6

Liebe Gemeindeglieder in Ditzum und Oldendorp-Nendorp!

Dieses Wort ist eine Zeile aus dem 31. Psalm. Ein Gebetsruf! Ein Aufruf dazu, wie man im Volk Gottes betet, wie man vorbetet und zum Mitbeten ermuntert. Und dabei ist es ganz gleich, wie es um einen steht, wie es um mein persönliches "Elend" bestellt ist.

Das genau ist ja zutiefst immer meine Entfernung von meinen Gott. Es ist "mein Elend", dass ich Gott davongehe oder dass er mir sonst aus dem Glauben entschwindet.

Aber Gott will nicht fern von mir sein! Er will nicht fern von uns sein! Seine Liebe sucht unsere Nähe; seine Güte nimmt sich unser an. Und sie macht dankbar!

Lassen wir uns von Gottes Güte tragen! Lassen wir uns von der Freude darüber anstecken und bringen wir dann unseren Dank vor Gott!

Liebe Gemeindeglieder!

Gott sieht unsere Not, unser Elend! Und er hilft und steht uns bei und führt uns durch die tiefen Täler des Lebens! Darauf können wir uns verlassen, darauf vertrauen! Darüber dürfen wir uns freuen und über seine Güte fröhlich sein!

Ihnen allen wünsche ich ein gutes Frühjahr, frohe Oster- und Pfingsttage, einen schönen Mai und Frühsommer.

Seien Sie herzlich gegrüßt

Martin Schneider, Pastor


Wurzelstock

Advent - es geht auf Weihnachten zu.

Gott kommt in die Welt.
Und der Sinn der Adventszeit ist:
Dass wir Menschen uns darauf vorbereiten.

Unseren Blick und alle Sinne gilt es dafür zu schärfen,
was mit uns im Weihnachtslicht geschieht.
Dieses Licht gibt dem, was wir normalerweise tun,
eine andere Bedeutung.
Unser Handeln und unser Leben erscheinen in einem neuen Licht.

Das ist wie mit einem Transparentbild.
Eigentlich ist das nur ein Gerüst aus schwarzer Pappe,
bei dem Figuren und Formen mit Buntpapier ausgefüllt sind.
Für sich genommen wirkt es kümmerlich.
Aber wenn dann ein Licht dahinter steht, dann fängt es an zu leuchten.
Die Farben glühen. Alles wird anders!

Davon sprach auch der Prophet Jesaja.
Er sah einen abgehauenen Wurzelstock.
Der wurde für ihn zum Bild für sein Volk.
Besiegt war es, ausgeplündert.
Die Menschen waren vertrieben oder getötet.
"Es ist hoffnungslos", sagten sie.
Aber Jesaja widersprach: "Solange es Gott gibt, gibt es auch Hoffnung.
Gott kann auch einen Holzklotz wieder zum Sprießen und Grünen bringen."

"Dann wird ein Reis hervorgehen aus Isais Stumpf und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen." (Jes. 11,1)

Lange nach diesen Worten wurde dann Jesus geboren.
Jesus, das Reis aus dem Stamm Isais.
Jesus, der keinen Menschen verloren gibt.
Jesus, der uns verboten hat, zu denken oder zu sagen:
Es gibt keine Hoffnung mehr.
Denn: Gott kann aus Abgeschlagenem Großartiges werden lassen.
Bei ihm ist nichts hoffnungslos.

Im Licht von Weihnachten bekommt auch unser Leben einen neuen Glanz, neue Bedeutung.
Ja, es wird erst sichtbar, was unser Leben ist und worum es wirklich geht.

Normalerweise sehen wir vom Leben nur das dunkle Gerüst.
Aber wenn wir das Licht von Weihnachten dahinter anzünden, dann sieht das alles ganz anders aus. Wenn wir Gott hereinlassen, dann fällt sein Licht und seine Wärme auf uns und unseren Lebensplan.
Und wir merken: Erst mit Gott, mit seinem Licht, sind wir richtig.

Sein Licht fällt auch auf die kaputten und geflickten Stellen unseres Lebens.
Es fällt auch dahin, wo wir es schwer haben, wo das Leben uns nicht gelingt.

Gott bringt Gnade, Freundlichkeit, neue Farben.
Seit er uns Jesus geschickt hat, sind wir nicht mehr allein.
Wir sind nicht mehr uns selbst überlassen auf der Welt.
Alles ist anders geworden mit ihm.
Und alles kann noch ganz anders werden.

Es liegt nur an uns, uns auf das Licht von Weihnachten einzulassen.

Ich wünsche Ihnen allen eine gute Adventszeit,
ein frohes Weihnachtsfest und ein gesegnetes Jahr 2012.

Ihr Martin Schneider, Pastor


Jesus Christus spricht: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Matthäus 18,20

Liebe Leserinnen und Leser!

"Wo zwei oder drei ..."- da klingt mir sofort der bekannte Kanon im Ohr. Ein kleines Lied mit fünf Zeilen - auch in unserem Evangelischen Gesangbuch zu finden. (Nr. 578)

Eine kleine Zahl klingt!
Das Kleine wird gesucht - wie im Bibeltext vom verlorenen Schaf, der unmittelbar unserem Bibelwort vorausgeht. (Matthäus 18, 10-14) Da wird ein verirrtes Schaf gesucht, bis es wiedergefunden ist.

Wo zwei oder drei versammelt sind, da fehlen doch offenbar einige. Haben sie einmal dazugehört und sind sie verloren gegangen? Wir Menschen versammeln uns im Namen Jesu Christi, weil wir diese besondere Zusage erhalten haben: Jesus Christus ist mitten unter uns!

Diese Zusage Jesu will bei uns das Gefühl der Hoffnung und der Wärme im Herzen wecken. Zum Beispiel beim gemeinsamen Beten in kleiner Runde oder bei der Feier des Abendmahls. Nicht das Zusammensein ist da das Entscheidende, sondern die Zusage - "...da bin ich mitten unter ihnen"

Denn hier kann menschliche Nähe besonders erlebt werden. Durch die Zusage Jesu werden Menschen zu Sehenden, zu Hörenden, zu Dankenden. In Christi Namen versammelt zu sein, das soll heißen: sich gegenseitig beistehen und anhören. So wird das Reden über unseren christlichen Glauben nicht zur Privatsache.

Seien Sie herzlich gegrüßt
M. Schneider, Pastor


Mit Gott unterwegs

"Paulus selbst wollte zu Fuß gehen."

Diese Bemerkung steht im Reisebericht der Apostelgeschichte (Apg. 20,13).

Der Apostel Paulus war mit seinen Mitarbeitern unterwegs entlang der Küste Kleinasiens.

In der Stadt Troas waren sie aufgebrochen. Ziel war die Stadt Milet. Man konnte mit dem Schiff über das Meer oder am Küstenstreifen zu Fuß bestimmte Abschnitte dieser Strecke zurücklegen. Paulus entschloss sich zunächst für das letztere, während er seine Mitarbeiter mit dem Schiff vorausfahren ließ.

Der Apostel wollte allein sein, denn er hatte eine große Mitarbeiterversammlung vor sich.

Noch einmal konnte er so seine Gedanken sammeln für die Ansprache vor den Ältesten der Gemeinde Ephesus, die er von Milet aus rufen ließ. In Ephesus hatte Paulus drei Jahre lang als Bote Christi gearbeitet. Und er wusste, dass er die Ältesten der Gemeinde nun zum letzten Mal in seinem Leben zusammenrufen und sprechen würde.

Viele Stunden musste Paulus alleine seinen Weg zu Fuß gehen.

Wie wird er wohl immer wieder beim nachdenklichen Wandern mit Gott das Gespräch gesucht haben!

Körperliche Bewegung in der freien Luft hält ja die Gedanken frisch, die beim Sitzen, Knien oder Liegen oft erschlaffen. Und unterwegs nun, allein auf der Wanderung, im Gespräch mit Gott, da konnte Paulus auch keiner stören.

Er war mit Gott unterwegs - allein mit Gott!

Wie kann das auch in unserer Urlaubszeit Bedeutung erhalten? Wie kann das eine Wanderung, eine Autofahrt bereichern?

Allein mit Gott unterwegs sein!

Im Rückblick und in der Erinnerung kann man mit dem Danken beginnen. Man darf für alle Führungen Gottes im Großen und im Kleinen danken. Personen und Ereignisse aus der Kinder- und Jugendzeit kommen vielleicht noch einmal in den Sinn. Und sie werden wichtig, denn sie haben eine Spur im Leben hinterlassen.

Auch Hingabe an Gott kann neu entdeckt werden. Neue, schöpferische Perspektiven können sich ergeben, Dank und Fürbitte für Vieles und Viele.

Mit Gott unterwegs - allein mit Gott!

Vieles kommt einem da wohl in den Sinn. Neue Lebensinhalte können wachsen. Man kann sich an den kleinsten Dingen erfreuen, draußen in der Natur, in der Begegnung mit Menschen, an den kleinen Ereignissen des Alltags.

Mit Gott allein unterwegs!

Vielleicht gelingt uns das auch einmal in der sommerlichen Urlaubszeit.

Vielleicht gelingt uns das in diesen Ferientagen, in denen der Alltag durchbrochen wird und wir den täglichen Trott zu vergessen suchen.

Ich wünsche uns allen, dass wir unsere Straßen als Christen immer fröhlich gehen.

Daher Ihnen allen ein "Gott befohlen" auf den Weg in das Wochenende und vielleicht auf den Weg in die Ferien, dass auch wir einmal mit Gott - allein - unterwegs sind!

Pastor Martin Schneider

Ditzum und Oldendorp-Nendorp


Lebt in der Liebe!

"Lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch."
Epheser5,2

Liebe Leserin, Lieber Leser!

Das ist eine positive Aufforderung, die da an uns ergeht!

Jede und jeder von uns kann ihr wohl aus irgend einem anderen Grund zustimmen. Das ist ja das, was unsere Welt braucht: Liebe statt Hass, Versöhnung und Frieden statt Streit, Bewahrung statt Zerstörung.

Genau das meint unser Bibelwort und bestimmt gleichzeitig genauer: "Lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und sich selbst für uns gegeben!"

Für uns als Christen bedeutet das, dem Mitmenschen zu vergeben, ihn samt seinen Eigenarten dennoch anzunehmen, ihm gönnen, dass es ihm eventuell sogar besser geht als mir selbst. Ich werde versuchen, gut über ihn zu denken und ihn auch dort zu verstehen, wo es mir nicht leicht fällt.

Und ich will das tun, weil Gott an allen diesen Menschen so großes Interesse hat, dass er seinen Sohn für sie gab!

Nur so wird der ewige Kreislauf von Hass und Rache unterbrochen.

Und damit sind wir genau bei dem, was Christus tat. Er gab sich selbst für uns Menschen hin. Christus lebte vollkommen in der Liebe. Er liebte uns, ohne das wir dessen würdig gewesen wären, ja, "als wir noch Feinde waren!"

Wenn es uns schwer fällt, Menschen zu lieben, die uns ablehnen: Jesus gibt uns das beste Beispiel dafür! "Lebt in der Liebe!" - so ermutigt uns der Apostel und meint damit unser gewohnheitsgemäßes Verhalten, den Lebenswandel.

Christen führen ihr Leben mit Christus. Für sie ist sein Vorbild maßgebend! Gerade im Blick auf Jesu Liebe suchen sie in seinen Fußstapfen zu gehen. An dem, wie Jesus uns begegnet, haben wir unsere Regel.

Und diese Regel legt fest, wie wir andere beurteilen und welches Benehmen ihnen gegen für uns gilt! Mit jedem boshaften, niederträchtigen oder rachsüchtigen Gedanken gegen unseren Mitmenschen kommen wir in Konflikt mit der biblischen Weisung: "Lebt in der Liebe!"

Jesu Liebe ordnet unser Verhalten gegenüber Gott und den Mitmenschen von innen her. Sie bestimmt schon den Lauf unserer Gedanken und unseres Wollens. So leben wir in Übereinstimmung mit dem, was Jesus für uns tat.

Pastor Martin Schneider Ditzum und Oldendorp/Nendorp