Gegenseitig Raum geben

Um es ganz klar mit Jesus zu sagen:

Wenn da jemand das Evangelium verkündigt, dann kann es zugehen wie bei einem Sämann. Von dem, was er ausstreut, fällt einiges auf den Fußweg, anderes auf den Felsen, manches unter Dornen. Aber einiges fällt auch auf gute, fruchtbringende Erde.

Dass alles hat auch der Apostel Paulus in Korinth erlebt.

Er wurde wohl sehr zornig und böse und schrieb einen überaus deutlichen Brief, als er hörte, dass selbst das, was doch die Herzen der Korinther erreicht hatte, dass selbst das noch einmal von anderen fast wieder herausgezogen worden war.

Traurig war er darüber wohl.
Und er wird erst wieder froh, als sein Mitarbeiter Titus ihm berichtet: Doch, es wächst weiter, was in die Herzen gepflanzt wurde! Die Korinther geben deinen Worten und dir wieder Raum in ihrem Herzen. (2 Kor 7, 2-16).

Das alles kennen wir auch: Dass andere, wenn wir weggehen, über uns reden und vieles kritisieren und madig machen, was wir getan oder gesagt haben! Aus welchen Gründen auch immer: wohlmeinend oder neidisch oder aus Besserwisserei heraus. Und sollen wir dann darauf reagieren oder bei uns denken: Das Gute setzt sich schon selber durch?

Solche Ruhe hatte der Apostel Paulus jedenfalls nicht!

Er war noch unruhiger als Jesus, in dem doch auch schon ein Feuer gebrannt hatte!

Und wir?

Rennen wir auch gegen die Mauern in den Herzen - oder sind wir liebevoller und sprechen die Bitte nach: Gib mir Räum in deinem Herzen?

Wir Christinnen und Christen haben in vielen Dingen sehr unterschiedliche Meinungen. Wir regen uns manchmal gewaltig auf, auch gegenseitig, obwohl wir doch alle in ein und derselben Richtung unterwegs sind.
Und je lauter und heftiger wir sprechen, desto verschlossener und härter ist dann unser Herz!

Aber genau dann brauchen wir einen Jesus, der unser Herz durchgräbt, der die Dornen ausreißt und verbrennt, der uns sagt: Verlass dich nicht auf deine eigenen Gedanken. Bitte, gib Gottes Wort Raum in deinem Herzen.

Was hätte Jesus wohl dem Paulus gesagt, was den Korinthern und was uns?

Einen friedvollen, gesegneten Sonntag wünscht Ihnen
Pastor Martin Schneider, Ditzum


Voller Erwartung leben!

"Und sie fanden alles so vor, wie er es ihnen gesagt hatte."

- Diesen Satz hat der Evangelist Markus in seinem Evangelium aufgeschrieben, im 14. Kapitel, Vers 16.

Die Rede ist dabei von zwei Jüngern und von Jesus.

Jesus ist mit seinen Jüngern auf dem Weg von Bethanien nach Jerusalem. Es ist die Zeit vor dem Passahfest. Alle nur denkbaren Gastzimmer in der Stadt sind an Festpilger vermietet.

Jesus und seine zwölf Jünger brauchen aber auch noch einen Raum, um in Gemeinschaft das Fest zu begehen und zu feiern.

Und so schickt Jesus zwei Jünger als Quartiermacher voraus. Er gibt ihnen aber nicht einfach den Auftrag: "Geht nach Jerusalem hinein, besorgt ein Quartier und bereitet die Feier für das Passahmahl vor!"

Jesus sagt den Jüngern genau voraus, was ihnen in der Stadt passieren und wie es ihnen ergehen wird. Ihnen wird in der Stadt ein Mann mit einem Wasserkrug entgegenkommen. Und dieser Mann wird in ein bestimmtes Haus gehen. Da sollen die Jünger dann nachfragen. Und der Hauswirt wird ihnen einen großen, mit Liegepolstern ausgelegten Raum zur Verfügung stellen.

Die Jünger machten sich auf in die Stadt

"und sie fanden alles so vor, wie er es ihnen gesagt hatte."

Heute nun lesen wir diesen kurzen Satz von den vorbereiteten Verhältnissen.

Ein Satz, der uns so recht nicht wieder loslassen will.

Ein Satz, der uns im Gedächtnis haften bleibt.

Denn es gilt doch nicht nur für jene Begebenheit in den Vortagen des Passahfestes damals in Jerusalem, bevor Jesus verhaftet, verurteilt, gekreuzigt wurde, starb und dann auferstand.

Mit diesem Satz wird doch für uns Menschen die erlebbare, erfahrbare Wirklichkeit Jesu ausgesprochen!

Menschen, die mit Gott und Jesus rechnen, kommen immer in vorbereitete Verhältnisse.

Manchmal ist das mit Händen zu greifen, wie gut alles vorbereitet ist:
Begegnungen mit anderen Menschen am Ort, in der Gemeinde, auf einer Reise;
die Mitpatienten im Krankenzimmer;
der Verlauf eines Gespräches;
der hilfreiche Telefonanruf;
das Entdecken eines notwendigen Buches im Vorübergehen;
das passende Wort auf dem Kalenderblatt ...!

Viele kleine Beispiele können hier angeführt und erzählt werden.

Sie alle sind doch Zeichen, sind Signale für die Vorsorge und Fürsorge Jesu! Er ist doch im Kleinsten am allergrößten!

Das gilt besonders für die Zeiten, in denen man gar nichts Handgreifliches, Brauchbares, Hilfreiches, sieht und hört.

Gerade dann aber dürfen wir doch darauf vertrauen, dass Jesus dennoch Vorbereitungen getroffen hat.

Manche Einzelheit im Laufe des Lebens wird oft erst nach Jahren in ihrer Bedeutsamkeit fassbar, verstehbar.

Und so dürfen wir immer wieder neu mit gespannter Erwartung unter der Führung Jesu leben. Wir werden alles so vorfinden, wie er es uns gesagt hat.

Er ist gen Himmel gefahren und doch noch hier bei uns, an unserer Seite!

Pastor Martin Schneider, Ditzum und Oldendorp-Nendorp