Die letzten Tage des Krieges bis zum Waffenstillstand am 5. Mai 1945

Es mehrten sich die Angriffe der Tiefflieger. Unsere Fischerboote auf der Ems wurden angegriffen, sie litten Schaden, aber kein Verlust am Menschenleben. Auf dem Felde fühlten die Arbeiter sich bedroht, ebenso Fahrzeuge auf der Chaussee.

Mittlerweile rückte die Front von Papenburg und Groningen näher. Die Batterien von Dollart, Süd, Ditzumerhamrich und Pogum griffen ein. Wir waren noch Zuhörer, die fragten, was wird werden? Die Richtung des Feuers näherte sich uns. Wir gingen am Dienstag, 24. April abends von unserm Erdbunker hinter dem Hause in den befestigten Keller vom Nachbarhaus; vertrieben wurden wir durch das plötzlich im Bunker aufsteigende Wasser; das Syl war auf Befehl der deutschen Militärgewalt gesprengt; wochenlang hielt das Salzwasser seinen Zugang zu dem niedrig gelegenen Wehrland und in den Hammrich, der Schaden war groß.

Wir lagen in der Nacht und weiter in der Zielrichtung der Geschosse; in und um das Haus erfolgten Einschläge. Im Keller saßen Fräulein Mansholt, meine Frau und ich, zwei ausgebombte aus Emden, die bei uns in der Pastorei wohnten, fünf Flüchtlinge aus Ostpreußen, die bei Frl. Mansholt untergebracht waren, der Knecht, ein Holländer, Gehilfe auf dem Platz und abwechsend deutsche Soldaten.

26. April - Der Kommandant der Batterie in Pogum, der bis aufs letzte kämpfen wollte, wurde verwundet durch Bordwaffen; die Besatzung ergab sich. Ebenso der Ort Pogum.

Mit Ditzum wurde verzüglich verhandelt. Es war hier eine kleine Besatzung, man sagt, 20 (26) Mann; der Kommandant hatte sich verdrückt nach Nendorp, der Vertreter wollte die Verantwortung nicht übernehmen; nach ein wenig Schießen hin und her, ergab sie sich; ebenso noch die ca. 150 Soldaten, Volksturmleute ohne Waffen, Flüchtlingssoldaten aus Holland. Der Ort war an den Eingängen mit Panzersperren verbarrikadiert. Eine Abwehr erfolgte nicht. Ein Stoßkommando verfehlte uns. Der Platz, in dem wir im Keller saßen, war durch Schwefelgranaten in Brand geraten, als wir nach draußen eilten, wurden wir von einem Stoßkommando der Canadier in Emfang genommen, durch Soldaten mit geladenen Gewehr über den Misthaufen an der Seite des Hauses getrieben und hinter dem Haus mit den Soldaten, die sich in der Scheune aufgehalten hatten, festgenommen. Wir wurden ins Haus zurückverwiesen und die Soldaten gefangen gehalten.

Die Panzerwagen, von Pogum kommend, rollten nun durch den Ort; der Platz (Bauernhof) von Mansholts wurde gelöscht, es gerieten die Häuser von von Andreas de Vries, Frl. Nanninga (Jannes Schröder), Frau Steen durch Schwefelgranaten in Brand, ebenso die Mühle.

Das Dorf sah nach der Beschießung, durch den Beschuss von außen und durch die Panzer traurig aus. Die meisten Häuser beschädigt, einige fast ganz zerstört. Das Pfarrhaus hatte drei Volltreffer, die Kirche ca. 10. Doch den größten Anteil an der Zerstörung hat die Beschießung von Petkum, Emden und Richtung Jemgum gehabt. Das hatten wir noch vor uns.

Im Laufe des 28. April flüchteten wir in die van der Wallsche Ziegelei. Da lagen etwa 300 Ditzumer. Es wurde gemeinsam Verpflegung eingerichtet; das klappte alles. Es waren aber kalte regnerische Tage. Der Beschuss von Emden und Petkum lag schwer auf uns in den beiden letzten Nächten vor dem Waffenstillstand. Einige wurden unsicher und flüchteten noch in Richtung Hatzum und Ditzumerhamrich, wohin schon vorher einige Familien, auf der hammricher Chausse durch das kniehohe Wasser entronnen waren.

Ich sah mit Sorge der Nacht vom 5. zum 6. Mai entgegen. Es war mir nicht sicher, ob das Gewölbe der Ziegelei weiterem und längerem Beschuss Stand halten würde; die Meinungen darüber waren verschieden. Gott sei Dank, am Morgen des 5. Mai läutet unsere alte Marienglocke.      Dönitz hatte für die fries. Inseln und Nordseeküste, wie es hieß, Waffenstillstand angeboten. In der Pastorei lag eine Abteilung Canadier. Wir mussten noch einige Tage warten und kehrten dann nach deren Abzug heim.

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