Ditzumer Glocke 500 Jahre alt

Im Jahre 1479 hat Barthold Klinghe, ein Sohn des berühmten Erzgießers Ghert Klinghe aus Bremen, die Marienglocke gegossen, die heute noch vom Ditzumer Turm läutet.

Die sollte eine Passionsglocke sein, die Gemeinde an das Leiden Christi erinnern. Die Inschrift ist heute nur noch mühsam zu entziffern. Die obere Umschrift in 5,5cm hohen gotischen Kleinbuchstaben lautet: " maria ik hete - gert to petcv - vn de van dirtsv hebbet mi late ghete - anno dom MCCCCLXXIX". Am unteren Rand steht in 2,5 cm hohen gotischen Kleinbuchstaben: "s maria s anna s katerina s margreta s gerdrvt s elisebet s agata s ursla me schal mi alle vreidaghe luden dat schal vns de passigen bedvden vente gto appe den vrigdach leth den dot her herman van dervorde menne lemsen bartolt klinghe de ghe gaten hat".

Als man 1961 die im Kriege eingeschmolzene 2. Glocke ersetzen wollte, stellten die Fachleute fest, die Stimmung der alten Glocke sei so unsauber, dass eine zweite dazu passende Glocke nicht hergestellt werden könne. Die Glocke sei 7 cm zu lang und der Durchmesser oben an der Innenseite sei 4 cm zu groß.

Ob Barthold Klinghe die Glocke mit Absicht so gegossen hat? Ist sie nur eine Fehlleistung oder vielleicht ein Zeichen dafür, dass das Leiden und Sterben Christi einmalig ist und an nichts in der Welt angepasst werden kann, ein störender Misston, der aber eben so aus einschläferndem, harmonischem Wohlklang, aus tödlicher Gleichgültigkeit aufschrecken kann? Die Passionsglocke, auch Scheidglocke genannt, hätte nur allein geläutet werden können.

Man kann das Kreuz von Golgatha in seiner Bedeutung nicht verändern. Wohl aber kann man eine Glocke so umstimmen, dass sie sich mit anderen verträgt. So hat die Glocke von 1479 auf ihre alten Tage sich auf den Lastwagen begeben und sich am 4. April 1961 nach Heiligerlee zu van Bergen fahren lassen. Dort hat sie sich auf sanfteres cis' ausschleifen lassen und ist dann weiter gefahren nach Bockenem am Harz, wo eine zweite Glocke auf sie eingestimmt wurde. Seit dem 6. August 1961 tut sie wieder ihren Dienst zu Haus in Ditzum.

Die alte Glocke ruft seit 500 Jahren die Gemeinde in Ditzum zum Gottesdienst, mahnt und klagt in Not und Trauer.

Sie tut es jetzt zusammen mit der neuen Glocke, auf der zu lesen ist: "Dienet dem Herrn mit Freuden!" Die Passion Christi für sich allein tröstet nicht; vielleicht alarmiert sie und schreckt. Aber der Gekreuzigte ist auferstanden. Er ist der lebendige Herr, uns wirksam nahe. Darum muss die Passionsglocke wohltuend, heilsam zusammenklingen mit dem "Dienet dem Herrn mit Freuden".

Peter Petersen

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